Netzwerk Alleinerziehende

Auftaktveranstaltung

 

Seit Beginn des Jahres koordiniert Christiane Goertz – Projektmitarbeiterin der zentralen Frauenberatungsstelle FAW (Frauen in Arbeit und Wirtschaft) e. V. das vom Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen neu ins Leben gerufene Netzwerk für Alleinerziehende. Ziel dieses Netzwerks ist es, alle Angebote für Alleinerziehende transparenter zu machen, Kompetenzen zu bündeln und gemeinsame Ideen zu entwickeln, mit denen die Situation der Alleinerziehenden verbessert wird. Die Arbeit des Netzwerks wird vom ESF (Europäischer Sozialfonds) gefördert.

Am 1. April war es nun so weit: ein großer Teil der Netzwerkpartner*innen traf sich in den Räumen des Senators für Wirtschaft, Arbeit und Häfen. Die Teilnehmer*innen kamen aus vielen verschiedenen Initiativen und Organisationen, die alle eines gemeinsam haben: sie setzen sich ein, um die Lebensbedingungen der Einelternfamilien zu verbessern. Das Ziel dieses ersten Treffens war es, die zukünftigen Arbeitsinhalte und Ziele des Netzwerks zu definieren und aus den gesammelten Themen konkrete Schritte zu erarbeiten.

 

 © Suse Lübker

 

Zahlen – Daten – Fakten

Nach einer kurzen Begrüßung durch Julia Feddersen (ESF-Referentin beim Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen) stellte Elke Heyduck, Geschäftsführerin und Leitung der Politikberatung der Arbeitnehmerkammer Bremen aktuelle Arbeitsmarktzahlen in den Fokus. 25.000 Alleinerziehende leben laut Mikrozensus im Land Bremen, über 14.300 sind Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren, von denen wiederum 8.400 erwerbstätig sind.

In Bremen leben auffällig viele arbeitslose Alleinerziehende, 70% von ihnen haben keine Berufsausbildung. „Es sollte ein Ziel der Arbeitsmarktpolitik in Bremen sein, diese Zahl zu reduzieren und Frauen in existenzsichernde Beschäftigung zu bringen“, fordert Heyduck.

Ganz wichtig sei es, einen Blick auf die Quoten in den Stadtteilen/Ortsteilen zu werfen, in denen Alleinerziehende leben, so zum Beispiel Neue Vahr Nord oder Kattenturm. „Alleinerziehende sind mehr auf ortsnahe Angebote angewiesen, als andere“, so Heyduck. Laut einer gemeinsamen Untersuchung der Arbeitnehmerkammer und des Jobcenters sei außerdem deutlich geworden, dass Einelternfamilien sich auffällig häufig bei der Wohnungssuche benachteiligt fühlen. Das sei, so Heyduck, ein wichtiger Aspekt für die Arbeit des Netzwerks.

Angebote für Alleinerziehende transparent machen

Hinzu kommt, dass viele Alleinerziehende bemängeln, dass es wenig Informationen über die Angebote für Einelternfamilien gäbe. Erstaunlich, so erklärt Heyduck, schließlich gäbe es jede Menge Institutionen, die sich mit den Schwierigkeiten dieser Zielgruppe befassen würde. Ein wichtiges Thema ist die fehlende Kinderbetreuung: „Fast 50% der Alleinerziehenden mit SGB II-Bezug haben keinen Kinderbetreuungsplatz“, erklärt Heyduck. Diese Tatsache erschwere die Arbeitssuche wiederum ganz besonders.

Problematisch sei auch, dass Alleinerziehende oft Jobs annehmen, die unterhalb ihrer Qualifikation liegen, das ergab eine weitere Studie der Arbeitnehmerkammer. Außerdem haben sehr viele Alleinerziehende neben ihrer Haupttätigkeit noch eine Nebentätigkeit und arbeiten deutlich mehr als andere Beschäftigte im Schichtdienst oder am Wochenende. „Alleinerziehende sind unglaublich flexibel“, resümiert Heyduck, „und das, obwohl die Rahmenbedingungen deutlich schwieriger sind, als bei den anderen“.

Themen und Ziele im Fokus – Aktionen geplant

Nach einer Vorstellungsrunde aller Teilnehmenden wurden die Themen und auch die Ziele des Netzwerks in zwei Kleingruppen zusammengestellt und priorisiert.

In den Arbeitsgruppen wurde schnell deutlich, wie wichtig es ist, konkrete Maßnahmen zu beschließen. Es reiche nicht, da waren sich die Teilnehmer*innen einig, kurzfristig zu handeln, sondern die Projekte bräuchten eine Langzeitwirkung. Dafür sei es umso wichtiger, dass auch die Arbeitgeber miteinbezogen werden. „Die Unternehmen müssen sich öffnen für die Zielgruppe der Alleinerziehenden“, so eine Teilnehmerin. Ziel sei es, nicht nur die Alleinerziehenden auf das Arbeitsleben vorzubereiten, sondern auch die Unternehmen fit für die Alleinerziehenden zu machen.

Politik und Wirtschaft ins Netzwerk

Um etwas zu erreichen, da waren sich viele Teilnehmer*innen einig, solle nicht nur das Wissen gebündelt werden, sondern Erkenntnisse und Forderungen müssten auch an Politik kommuniziert werden. Dafür sollen auch Entscheidungsträger*innen eingeladen werden. Vor allem sollten politische Vertreter*innen ebenso wie Wirtschaftsverbände und Kammern mit ins Boot geholt werden.

Viele Teilnehmer*innen wünschten sich, dass die bestehenden Angebote für Einelternfamilien transparenter gemacht werden. Die Teilnehmer*innen des Netzwerkes müssten auf den gleichen Wissenstand gebracht werden. Entscheidend sei ebenfalls der Austausch mit anderen Netzwerken, z.B. mit dem Arbeitskreis Berufliche Perspektiven für Frauen und Mädchen bei der ZGF.

Viele Angebote richten sich nur an spezielle Zielgruppen, z. B. an Ungelernte und müssten einer breiteren Gruppe zur Verfügung gestellt werden. Es sei wichtig, möglichst schnell und übersichtlich Infos über Kinderbetreuung in Kitas, aber auch nach der Schule und vor allem in den Ferien zur Verfügung zu stellen.

Mehr Mittel für Gesundheitsprävention

Ein Thema, das oft in der Beratung eine Rolle spielt, ist die Gesundheitsförderung. Einelternfamilien sind häufig besonders belastet und erschöpft und oft bleibt wenig Zeit und Geld, etwas für die eigene Gesundheit zu tun. Der Zugang zu Mutter-Kind-Kuren oder Vater-Kind-Kuren, aber auch zu gesundheitsfördernde Maßnahmen in der Freizeit müssten für diese Zielgruppe (auch finanziell!) leichter gemacht werden.

Nach einer ausführlichen Diskussion einigten sich die Teilnehmer*innen darauf, sich zunächst auf die folgenden drei Themenblöcke zu konzentrieren:

  1. Kinderbetreuung: „Alleinerziehend“ als Kriterium bei der Kitaplatz-Vergabe, Flexible Angebote, finanzielle Unterstützung bei der Ferienbetreuung, Betreuung während der Bildungszeit, nach der Schule …)
  2. Gesundheitsförderung (Präventions- u. Gesundheitsförderung, besserer Zugang zu Infos über Kuren etc.)
  3. Arbeitgeber (Einbeziehung der Unternehmen, Rechte der Alleinerziehenden, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Kooperation mit Impulsgeber Zukunft e. V. …)

Das nächste Netzwerktreffen wird Ende Juni zum Thema „Kinderbetreuung“ stattfinden. Aus dem Kreis der Anwesenden hat sich eine Gruppe zusammengefunden, die dieses Thema gemeinsam mit der Koordinatorin vorbereiten wird.